Große Begeisterung am Sticken in Biberach


Wer kennt sie nicht, die vielen Gespräche über den Erhalt unseres Kulturgutes, im speziellen über die Weitergabe der Stick- und Nähtechniken? Erst recht in unserer Kreisgruppe (im Besonderen), wo drei Tanzgruppen mit 60 Mitgliedern existieren und die Frage nach Trachtenteilen immer wieder aufkommt. Gründet man deshalb einen Stickkreis? Wie und wo fängt man an?
Viele Ideen überschlugen sich in meinem Kopf.

Aber erst mal der Reihe nach. Der Gedanke fasste Fuß, als zwei Schwester, Agathe Barthel und Renate Schuller, Männertrachtenhemden nähen und sticken wollten und an einem Seminar zur Herstellung eines Männertrachtenhemdes teilnahmen, veranstaltet vom Verband der Siebenbürger Sachsen. Er reifte weiter, als mein Mann sich ein Hemd nähen ließ und wir Frau Freitag zum Maßnehmen besuchten und dabei ihre Kostbarkeiten bewundern konnten: ein Puppenpärchen in Tracht, die Trachten ihrer Enkelinnen und Tochter und ihre unermüdliche Leistungskraft immer weiter zu nähen. Nun denkt man sich, das ist ja nichts besonders ­ lässt man außer Acht, dass Frau Freitag damals 78 Jahre alt und in froher Schaffenslaune war. Und dann ging der Gedanke mir wieder durch den Kopf, wer macht das in 5 - 10 Jahren noch? Gedacht ­ gefragt ­ ich fragte Frau Freitag spontan, ob sie bereit sei, ihr Wissen und Können weiterzugeben. Sie sagte spontan ja und auch ihre Tochter, Katharina Drotleff, stimmte zu, ihre Mutter dabei zu unterstützen. Schnell hatte ich einige Flyer zum Thema verteilt und am 13.03.2009 fand das erste Treffen der Interessierten bei mir zu Hause statt. Das Wohnzimmer war voll, das Interesse groß. Am Ende des Abends stand fest, wir treffen uns alle zwei Wochen.

Wir begannen mit Stickproben auf Seidenband und Samt, die in gestickten Männerkrawatten und Haarbändern mündeten. Faszinierend war, dass sich dabei herausstellte, dass wir einige versteckte Talente unter uns hatten, die schon einiges an Wissen mitbrachten und sich dadurch ein reger Austausch entwickelte. Die Stickabende, die abwechselnd bei den Teilnehmerinnen zu Hause stattfinden, entwickeln sich zu einem netten Beisammensein, mit der fachlichen Unterstützung von Frau Freitag, unterstützt von ihrer Tochter Katharina Drotleff, die uns das jeweilige Zubehör besorgt. Damit nicht genug, verschiedenen Stickmuster wurden durch jeden einzelnen zusammengetragen die in einer Sammelmappe mündeten. Wir, 10 - 12 aktive Stickerinnen (Interessierte), treffen uns nach wie vor regelmäßig. Es folgten Kreuzstiche, die ersten Trachtentäschchen wurden fertiggestellt, Männerhemden in Kinder-/Puppengröße, um auch die Zuschnitttechniken sowie das Fertigstellen kennen zu lernen sowie Frauenhemden. Sicher sind auch einige Teilnehmerinnen dabei, die all das schon können, aber für uns Anfänger ist das umso besser, da so Frau Freitag auch entlastet wird. Das Wichtigste dabei ist, dass wir mit guter Laune und ohne Zwang an die Arbeit gehen, etwas dazu lernen, etwas in die Zukunft tragen, evtl. etwas unseren Kindern mitgeben können und natürlich einen entspannenden Abend erleben.

Es liegt auf der Hand, dass ich mich an dieser Stelle bedanken möchte, ganz besonders bei Frau Freitag, die keine Mühe scheut und jeden zweiten Freitag sich unser annimmt sowie bei allen Teilnehmerinnen, die mit ihrem Interesse und ihrem Einsatz dazu beitragen, dass jeder zweite Freitag etwas Besonderes wird. Ich hatte eine Idee... Wer Interesse hat mitzumachen, melde sich bei mir ­ Tel.-Nr. 07351/44 17 20.


Annemarie Zultner

Bilder dazu

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